DER VORNAME

08.01.2014

So lustig kann der Weg zu einer klugen Lösung sein

VN - 18. Dezember 2013

Die Namensgebung hat einen besonderen Stellenwert – einen unterhaltsamen dazu.

Alberschwende. Komödien, die nicht nur durch Aktion in Gang gehalten werden, sondern vor allem durch den verbalen Schlagabtausch, sind auch für Profis ein schwieriges Unterfangen. Mögen Stücke von Moritz Rinke oder Yasmina Reza noch so hochgejubelt werden, wenn sich keine vor allem sprachlich kampfkräftige Truppe in den Wohnzimmern versammelt, wird es schnell langweilig. Mit Reza – und einem äußerst schrägen Blick auf „Der Gott des Gemetzels“ – hat sich vor einiger Zeit das Provinztheater Egg Lorbeeren verdient, das Chortheater Alberschwende scheute nun kein Risiko, und siehe da, auf einer Amateurtheaterbühne biegen sich auch dann vor Spaß die Balken, wenn sich die Truppe fest vorgenommen hat, von hoch gesteckten Ansprüchen nicht abzuweichen.

„Der Vorname“ von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière ist eine jener Gesellschaftskomödien, die den intellektuellen Diskurs mit den ganz banalen Tücken des Alltags in Verbindung bringen. So manche humane, liberale und auch feministische Haltung entpuppt sich da als bloße Fassade und die Art wie sich zwei Paare und ein Junggeselle an einem Abend, der bei Leckereien und Wein so richtig gemütlich werden sollte, in die Wolle kriegen, steckt voller Wiedererkennungswert.

Einige Klischees gibt es auch, denn dass sich ausgerechnet der moderne Wissenschaftler als Patriarch entpuppt, dessen Frauchen bei der Karriere brav zurücksteckt, hat man schon sehr oft gesehen. Und das Beklagen eines überholten Rollenbildes wird nicht aufregender, wenn man ihm ein Paar gegenüberstellt, bei dem sich die Frau nicht nur nimmt, was ihr zusteht, sondern auch als Schwangere alles andere zeigt als ein Muttertierverhalten.

Man biegt sich vor Lachen

Diese Klischees sind es aber auch, die Regisseur Stefan Pohl (der Profi in der Runde) souverän überspielen lässt, um alle diese Verstellungen, die Verletzungen und nicht zuletzt auch den Humor hervorzukitzeln. Man biegt sich vor Lachen und genießt es, weil das Vergnügen hier ungetrübt ohne jegliches Fremdschämen oder Peinlichkeiten möglich ist. Annemarie Bereuter, Georg Fischer, Gerhard Immler, Armin Thaler, Nadja Schneider und Wendelin Sohm bilden ein eingeschworenes Team, das das Tempo auch dann hält, wenn es gilt, in Schränken zu verschwinden oder in den weichen Sofakissen nicht nur zu versinken, sondern auch unbeschadet wieder nach oben zu kommen.

Was den titelgebenden Vornamen betrifft, so ist es eben nicht einerlei, ob man mit der Wahl Naivität beweist, eine üble Provokation begeht oder doch zu einer schönen Lösung findet. Mitgeholfen hat auch der Zufall, denn als nette, kluge oder dem Erfahrungswert entsprechende Geste der Autoren renkt ein neuer, weiblicher Erdenbürger alles wieder ein.

Weitere Aufführungen am 21., 22., 26., 28., 29. und 30. Dezember im Hermann Gmeiner Saal in Alberschwende.